Rennsteiglauf Supermarathon von Eisenach nach Schmiedefeld- Hart und herzlich!

Ein tolles, abwechslungsreiches intensives Lauferlebnis, das zugleich hart und zugleich sehr herzlich war! Und ich bin mehr als zufrieden mit meiner Zeit bei meiner Rennsteig-Premiere über 74 km mit 1.800 HM im An- und 1.400 Höhenmeter im Abstieg. Ich habe viel gelernt (schon im Training der letzten Monate) und habe meine Grenzen verschoben...

Verlauf

Am Tag vor dem Start holte ich in Eisenach konnte ich mich schon überzeugen, wie herzlich und entspannt die Ultraläufer sind. Sehr nette neue Bekanntschaften könnte ich schließen. Statt Pasta gabs übrigens – passend zur Thüringen – Klöße und Rotkohl – sehr lecker!
Der Lauf selbst hatte für mich vier sehr unterschiedliche Abschnitte:

1. Start bis Ebertswiese (km 37,5) Gesamtzeit 3:53 h: Alles im grünen Bereich

Angenehm kühl war es zu Beginn, Start ist um 6.00Uhr – was alle sehr begrüßen angesichts der sehr warmen Temperaturen. Ich startete kontrolliert in ca. 6:15 min-6:30 min/km-pace. Steile Anstiege wandere ich konsequent von Anfang an. Den Großen Inselsberg passierte ich in 2:42 h – voll im Zeitplan.
Meine persönlichen Streckenhighlights hier: Die Kühle im Wald. Nette entspannte Menschen um mich rum. Ein wurzeliger Trail mit intensivem Waldduft, den ich leichtfüßig hochhüpfe (naja, gefühlt ;-)). Dann die Verpflegungsstellen mit sehr herzlichen Helfenden, bei denen ich den bekömmlichen und mir sehr gut schmeckenden „Schleim“ (flüssiges porridge, gut trinkbar, leicht gesüßt) zuerst probiere und dann genieße. Und schließlich noch ein Supporter, der uns locker bergauf entgegenläuft und uns anfeuerte.

2. Ebertswiese (km 37,5) bis km 55 (Oberhof Grenzadler). Gesamtzeit 5:45 h: Es wird immer anstrengender, wärmer und härter – und ein Ultra-Tief erwischt mich kurz.

Bis km 45 ging es noch relativ locker, danach nicht mehr so, die Luft war ein wenig raus, erste kleinere mentale Durchhänger. Auch die Anstiege kommen mir nun viel steiler vor, meine Wahrnehmung ändert sich. Was zu Beginn als flacher Hügel gegolten hätte, erscheint nun als steiler Berg. Also gehe ich ab sofort mehr und länger – wie fast alle um mich herum. Nur die Bergziegen hüpfen jetzt davon.
Dann wird es kurz hart: Ein Tiefausläufer erwischt mich bei km 49. Schwere Beine, der nächste VP ist noch nicht in Sicht, ich habe Durst, meine Oberschenkel jammern, habe ich nicht ein Steinchen im Schuh?
Meine Strategie (im Training schon getestet und daher abrufbar): Einfach mehr gehen, aber nicht stehenbleiben, positive Gedanken abrufen, an Euch, die Vereinskolleg/innen vom HSC denken, die mir die Daumen drücken (Danke an dieser Stelle!!) und vor allem Geduld haben, es kommt ja nicht auf Minuten an! Und das Tief ging dann auch vorbei, beim VP bei km 51,3 mit freundlicher Unterstützung der Menschen am VP und dem motivierenden Schild „nächster VP Oberhof Grenzadler in 3,4 km“. Bei diesem sah man die DKB Skiarena, die vom winterlichen Biathlon bekannt ist. Für mich viel bedeutsamer war, dass es eine kräftige Brühe gab. Genau richtig bei dem Wetter! Ich weiß heute noch nicht, wie ich vier Becher (1 x Tee, 2 x Wasser, 1 x Brühe) gleichzeitig balancieren konnte :-). An dieser Stelle ein Hoch auf die herzlichen Menschen an allen VPs - grandios!

3. Oberhof Grenzadler bis km 65 Schmücke: Gesamtzeit 7:03 h: Rennsteiglauf? Rennsteigwandern! Das langsamste Teilstück

Es wurde nun richtig warm und langsam... Ich erinnere mich an sehr viele Hügel – nur ab und zu unterbrochen von kurzen Lauf-Passagen. Mental aber nicht so hart, denn ich zähle die Hügel bis Schmücke rückwärts.
Meine "Highlights" hier: Die zunehmende Gewissheit, es tatsächlich zu schaffen, letzte Zweifel im Kopf verschwanden. Die schöne Aussicht in der Nähe des Oberen Beerbergs. Und ein winziges Schlückcken Bier-Cola (Bico, auch als Krefelder bekannt) am VP Schmücke. Tat sehr gut!

4. Schmücke bis Schmiedefeld (km 74): Zügiger laufen geht noch – letzte Kräfte mobilisiert

In Schmücke wurde mir langsam bewusst, dass ich, wenn einigermaßen durchlaufe – und es ging überwiegend bergab auf diesem Abschnitt – ja eventuell noch die 8:00 h-Marke (mein heimlicher Traum) knacken könnte. Nach kurzem Muskel-Test laufe ich dann etwas zügiger bergab, komme in einen gewissen flow ... Schon erstaunlich, was der Körper bei km 65 noch mobilisieren kann. Der verhaltene Beginn und das konsequente Wandern bergan zahlte sich hier aus.
Die Highlights: Die abwechslungsreichen Abwärtspassagen, der Stolz, einen kleinen Gegenanstieg komplett zu laufen ohne zu gehen (vor einer Stunde undenkbar!) der motivierende Zielblick von der Skiwiese aufs Ziel in Schmiedefeld und natürlich der Zieleinlauf: Die Uhr zeigt 13:58. Unter 8 Stunden. Endorphine fluten meinen Körper, ich finishe meinen längsten jemals gelaufenen Wettkampf! Ich grinse, juble, winke den Zuschauern zu und fliege ein wenig auf der Zielgeraden!! Yes!!!!

Herzliche Grüße Frank

P.S.: Der Lauf ist top organisiert und erhält regelmäßig top Bewertungen von Läufern. .Eine Wiederholung schließe ich nicht aus. Eventuell ja auch auf einer der beiden kürzeren Strecken – neben dem Ultra werden auch eine Halbmarathon- und Marathondistanz angeboten...

Links

Homepage Veranstalter: rennsteiglauf.de
Schöner Laufbericht mit vielen Bildern:
trailrunning.de/laufberichte/gutsmuths-rennsteiglauf/vor-dem-winter-nach-dem-winter/3637